Das Wichtigste in Kürze
- Kurzantwort: Einen Köderfisch ziehst du richtig auf, indem der Haken in der festen Rückenmuskulatur oder durch die knochigen Lippen sitzt, nie im weichen Bauch.
- Hecht: Zwei-Drilling-System (Gr. 4–6) an 40 cm Stahl, ein Drilling hinter dem Kopf, einer im hinteren Drittel.
- Ködernadel: hält am besten beim weiten Wurf, setzt den Drilling aber hinten am After. Der Anhieb kommt dadurch später.
- Zander: Köderfisch 6–12 cm am Einzelhaken Gr. 2 bis 1/0, im Rücken für die Pose, durch die Lippen für die Strömung.
- Recht: Gefischt wird nur mit toten Köderfischen, lebende sind in Deutschland nicht zulässig.
Was „richtig aufgezogen“ heißt
Ein Köderfisch ist richtig aufgezogen, wenn er drei Dinge gleichzeitig schafft: Er übersteht den Wurf, er liegt im Wasser so, wie ein toter oder kranker Fisch daliegen würde, und der Haken greift, sobald der Räuber zupackt. Die vier gängigen Methoden setzen diese drei Punkte unterschiedlich um. Welche passt, hängt vom Zielfisch, von der Montage und von der Wurfweite ab.
Ein Punkt verbindet alle Methoden: Raubfische packen ihre Beute zuerst quer und drehen sie dann, um sie mit dem Kopf voran zu schlucken. Ein Haken im vorderen Teil des Köderfisches gelangt deshalb früh ins Maul. Ein Haken am Schwanz kommt erst zuletzt dort an. Daraus folgt die wichtigste Regel für den Anhieb, auf die dieser Ratgeber weiter unten zurückkommt.

| Methode | Zielfisch | Montage | Wurffestigkeit | Anhieb |
|---|---|---|---|---|
| Zwei-Drilling-System | Hecht | Pose, Grund | gut | nach wenigen Sekunden |
| Ködernadel | Hecht, Wels | Grund, weite Würfe | sehr gut | erst nach dem Drehen |
| Einzelhaken im Rücken | Zander, Barsch | Pose | mittel | nach kurzem Abziehen |
| Einzelhaken durch die Lippen | Zander, Barsch | Grund in der Strömung | mittel | nach kurzem Abziehen |
Vorbereitung: Köderfisch, Vorfach und Haken
Der Köderfisch. Bewährt haben sich schlanke Weißfische wie Rotauge, Ukelei und Güster, dazu Stint, Hering und Sardine aus dem Handel. Für Hecht sind 12 bis 18 Zentimeter gängig, für Zander 6 bis 12 Zentimeter, weil das Zandermaul deutlich kleiner ist. Stammt der Köderfisch aus dem Gewässer, gelten für ihn dieselben Schonzeiten, Mindestmaße und Artenschutzregeln wie für jeden anderen Fisch. Fische aus einem fremden Gewässer einzusetzen, ist vielerorts untersagt, weil sie Krankheiten verschleppen können.
Tot, und zwar vor dem Anködern. Lebende Köderfische sind in Deutschland nicht zulässig. Das folgt aus dem Verbot, einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen oder Leiden zuzufügen (§ 17 Tierschutzgesetz), mehrere Landesfischereiverordnungen verbieten ihn zusätzlich ausdrücklich. Ein selbst gefangener Köderfisch wird mit einem Schlag auf den Kopf betäubt und mit einem Herzstich getötet.
Gefroren oder frisch. Ein ganz weich aufgetauter Fisch reißt beim Wurf aus. Am besten hält ein leicht angetauter Fisch, der innen noch fest ist. Frische Köderfische sind am festesten in den ersten Stunden nach dem Fang.
Das Vorfach. Wo Hechte vorkommen, gehört ein Stahlvorfach von 40 Zentimetern vor den Köderfisch, auch beim gezielten Zanderangeln. Der Hecht nimmt den Köderfisch quer ins Maul, und dabei liegen die Zähne auf dem Vorfach. In reinen Zandergewässern reicht Fluorocarbon von 0,26 bis 0,35 Millimetern. Die Abwägung zwischen beiden Materialien steht im Ratgeber Fluorocarbon oder Stahlvorfach.
| Zielfisch | Köderfischlänge | Haken | Vorfach |
|---|---|---|---|
| Hecht | 12–18 cm | 2 Drillinge Gr. 4–6 (ab 18 cm Gr. 2) | 7x7-Stahl, 40 cm |
| Zander | 6–12 cm | Einzelhaken Gr. 2 bis 1/0 | Fluorocarbon 0,26–0,35 mm |
| Barsch | 5–8 cm | Einzelhaken Gr. 4–2 | Fluorocarbon 0,22–0,26 mm |
| Wels | 20–30 cm | Einzelhaken oder Drilling Gr. 2/0–6/0 | geflochtenes Vorfach, 60–100 cm |
Methode 1: das Zwei-Drilling-System für Hecht
Das Zwei-Drilling-System ist die Standard-Anköderung für den Hecht an der Pose und am Grund. Auf dem Stahlvorfach sitzen zwei Drillinge, der vordere meist verschiebbar, damit du den Abstand an die Fischlänge anpasst.
- Abstand einstellen. Den vorderen Drilling so verschieben, dass zwischen beiden Drillingen etwa die halbe Körperlänge des Köderfisches liegt.
- Ersten Drilling setzen. Einen Haken des vorderen Drillings seitlich in die Rückenmuskulatur stechen, knapp hinter dem Kopf und oberhalb der Seitenlinie.
- Zweiten Drilling setzen. Den Endhaken im hinteren Drittel ebenfalls seitlich in die Muskulatur stechen, auf derselben Körperseite.
- Vorfach leicht spannen. Zwischen den Drillingen soll das Vorfach gerade anliegen, ohne den Fisch zu krümmen.
- Kontrolle: Das Vorfach anheben. Der Fisch hängt waagerecht, beide Drillinge sitzen fest, die freien Hakenspitzen stehen nach außen.
Der Vorteil liegt im Anhieb. Weil ein Drilling hinter dem Kopf sitzt, ist er praktisch vom ersten Moment an im Hechtmaul. An der Pose schlägst du an, sobald die Schnur nach dem Abtauchen gleichmäßig in eine Richtung abzieht, in der Regel nach wenigen Sekunden. Der Hecht ist dann vorn im Maul gehakt und lässt sich schonend abhaken. Wie Pose, Tiefe und Bisserkennung zusammenspielen, steht im Ratgeber Posenmontage auf Hecht.
Methode 2: mit der Ködernadel aufziehen
Beim Aufziehen läuft das Vorfach durch den ganzen Köderfisch. Nichts hält einen Köderfisch beim weiten Wurf so sicher, darum ist die Ködernadel am Grund und an großen Gewässern beliebt.
- Nadel einhängen. Die Endschlaufe des Vorfachs (ohne Haken) in die Kerbe oder den Haken der Ködernadel einhängen.
- An der Schwanzwurzel einstechen. Die Nadel kurz vor der Schwanzflosse in den Körper stechen.
- Nach vorn führen. Die Nadel knapp unterhalb der Wirbelsäule durch den Körper schieben, bis sie vorn aus dem Maul austritt. Den Fisch dabei leicht gebogen halten, dann folgt die Nadel der Körperachse.
- Vorfach durchziehen. Das Vorfach nachziehen, bis der Drilling hinten anliegt. Am Maul den Wirbel einhängen.
- Drilling fixieren. Einen Schenkel des Drillings leicht in die Haut am After drücken, damit er beim Wurf nicht absteht.
Gerade Ködernadeln eignen sich für schlanke Fische, längere Nadeln mit Griff für große Köderfische und Welsköder. Eine Auswahl gibt es im Ködernadel-Sortiment bei Gerlinger*.
Der Haken am Ende hat eine Folge für den Anhieb. Weil der Drilling am After sitzt und der Raubfisch den Köder mit dem Kopf voran schluckt, kommt der Drilling erst ins Maul, wenn der Fisch die Beute gedreht hat. Wer zu früh anschlägt, zieht den Köder heraus. Wer lange wartet, riskiert einen tief geschluckten Haken. Viele Angler setzen deshalb auf einem aufgezogenen Fisch einen zweiten, kleinen Drilling vorn in den Rücken und kommen so wieder zum frühen Anhieb.
Methode 3: Einzelhaken im Rücken
Für Zander und Barsch an der Pose reicht ein Einzelhaken. Er sitzt in der Rückenmuskulatur, und der Köderfisch hängt darunter waagerecht im Wasser.
- Einstichpunkt suchen: direkt unter der Rückenflosse, oberhalb der Wirbelsäule.
- Quer durchstechen. Den Haken von einer Seite durch die Muskulatur führen, sodass die Spitze auf der anderen Seite frei herausschaut.
- Wirbelsäule auslassen. Der Haken läuft über der Wirbelsäule durch das Fleisch. Triffst du den Knochen, prallt die Spitze ab oder der Haken sitzt schief.
- Kontrolle: Hängt der Fisch kopflastig, sitzt der Haken zu weit vorn. Ein Stück nach hinten versetzen, bis er waagerecht hängt.
Die Rückenköderung ist nicht für weite Würfe gemacht. Ein ruhiger Pendelwurf oder das Ablegen von der Kante aus bringen den Köder sicher ans Ziel.
Methode 4: Einzelhaken durch die Lippen
Die Lippenköderung passt zu kleinen Köderfischen am Grund in der Strömung und zum langsamen Zupfen über den Gewässerboden. Der Kopf zeigt zur Schnur, der Fisch liegt stromab und dreht sich nicht.
- Maul schließen. Den Fisch mit geschlossenem Maul zwischen Daumen und Zeigefinger halten.
- Von unten stechen. Die Hakenspitze von unten durch den Unterkiefer und anschließend durch die Oberlippe führen.
- Spitze frei lassen. Die Spitze schaut oben aus dem Kopf heraus und wird nicht wieder in den Fisch gedrückt.
Die Lippen sind knorpelig und halten gut, solange der Wurf nicht zu hart kommt. Beim Zander kommt dazu ein Vorteil: Ein Haken am Kopf ist früh im Maul, sodass du nach kurzem Abziehen anschlagen kannst. Welche Einzelhaken in welcher Größe passen, findest du im Haken-Sortiment bei Gerlinger*.
Zander, Hecht oder Wels: was sich unterscheidet
Zander sind vorsichtig und spüren Widerstand. Kleine, schlanke Köderfische, ein dünnes Vorfach und eine offene Bremse oder ein Freilauf sind darum wichtiger als die Hakenposition. Ein Fetzen aus einem größeren Fisch funktioniert ebenfalls und wird am Einzelhaken einmal durch das feste Ende gestochen.
Hechte nehmen auch große Köderfische, beißen kräftig und brauchen den Stahl. Das Zwei-Drilling-System ist hier die schonendste Lösung, weil der Anhieb früh kommt.
Welse fressen große Köder bis 30 Zentimeter und mehr. Die Ködernadel oder ein großer Einzelhaken durch die Lippen sind hier üblich, weil der Köder meist abgelegt wird und lange am Platz bleibt.
Am Grund liegen lassen oder schweben lassen?
Ein toter Köderfisch hat noch Auftrieb in der Schwimmblase und dreht sich am Grund oft auf den Rücken. Für eine Grundmontage stichst du die Schwimmblase mit der Ködernadel einmal seitlich an, dann bleibt der Fisch ruhig liegen.
Über Kraut oder Schlamm ist das Gegenteil gefragt. Ein Stück Schaumstoff oder ein Balsastift im Maul oder in der Bauchhöhle lässt den Köderfisch über dem Grund schweben, wo der Hecht ihn sieht. Die Höhe stellst du über den Abstand zwischen Blei und Köder ein.
Für mehr Lockwirkung ritzt du den Köderfisch an den Flanken mit der Nadel an oder kürzt die Schwanzflosse. Beides verstärkt die Duftspur, gerade im trüben Wasser.
Typische Fehler beim Aufziehen
- Haken im Bauch: Der Bauch ist weich und reißt beim ersten Wurf. Immer in die Rückenmuskulatur oder durch die Lippen stechen.
- Zu weich aufgetaut: Ein matschiger Fisch hält an keinem Haken. Leicht angetaut anködern und nur so viele Fische auftauen, wie du in der nächsten Stunde brauchst.
- Haken zu klein: Verschwindet die Spitze im Fleisch, greift sie beim Anhieb nicht. Die Spitze muss frei herausschauen.
- Ködernadel, aber sofortiger Anhieb: Beim aufgezogenen Fisch sitzt der Drilling hinten. Ein Anhieb in der ersten Sekunde zieht den Köder aus dem Maul.
- Zu lange warten: Je länger der Räuber schluckt, desto tiefer sitzt der Haken. Ab etwa einer halben Minute wird es für den Fisch kritisch.
- Harter Wurf: Ein Köderfisch verträgt keinen Peitschenwurf. Ruhig durchziehen oder pendeln.
Fazit: vorne haken, wo es geht
Für den Hecht ist das Zwei-Drilling-System die beste Wahl: ein Drilling hinter dem Kopf, einer im hinteren Drittel, 40 Zentimeter Stahl davor und ein Anhieb nach wenigen Sekunden. Die Ködernadel spielt ihre Stärke bei weiten Würfen am Grund aus, verlangt aber Geduld beim Anhieb oder einen zweiten Drilling vorn. Für Zander und Barsch reicht ein Einzelhaken der Größe 2 bis 1/0, unter der Rückenflosse für die Pose und durch die Lippen für die Strömung. In jedem Fall gilt: Haken ins feste Fleisch, Spitze frei, Köderfisch tot und gut gekühlt.
Häufige Fragen
Wie zieht man einen Köderfisch mit der Ködernadel auf?
Die Vorfachschlaufe in die Kerbe der Ködernadel einhängen, die Nadel an der Schwanzwurzel einstechen und knapp unter der Wirbelsäule durch den Körper nach vorn führen, bis sie aus dem Maul austritt. Danach das Vorfach durchziehen, bis der Drilling am After anliegt, und einen Hakenschenkel leicht in die Bauchhaut drücken. Vorn am Maul hängst du den Wirbel ein.
Wie kann ich einen Köderfisch ohne Nadel aufziehen?
Ohne Nadel ködert man den Fisch direkt an: beim Hecht mit einem Zwei-Drilling-System, dessen Drillinge seitlich in die Rückenmuskulatur gestochen werden, beim Zander und Barsch mit einem Einzelhaken unter der Rückenflosse oder von unten durch beide Lippen. Diese Varianten halten beim Wurf etwas schlechter als ein aufgezogener Fisch, erlauben aber einen früheren Anhieb.
Wie zieht man einen Köderfisch für Zander richtig auf?
Für Zander eignen sich schlanke Köderfische von 6 bis 12 Zentimetern an einem Einzelhaken der Größe 2 bis 1/0. An der Pose sitzt der Haken unter der Rückenflosse, damit der Fisch waagerecht hängt, am Grund in der Strömung von unten durch beide Lippen. Als Vorfach reicht Fluorocarbon von 0,26 bis 0,35 Millimetern, solange kein Hecht im Gewässer zu erwarten ist.
Wie zieht man einen Köderfisch für Hecht richtig auf?
Mit einem Zwei-Drilling-System an 40 Zentimetern Stahlvorfach. Der erste Drilling der Größe 4 bis 6 sitzt seitlich in der Rückenmuskulatur hinter dem Kopf, der zweite im hinteren Drittel. So hängt ein Köderfisch von 12 bis 18 Zentimetern waagerecht, und du kannst anschlagen, sobald die Schnur gleichmäßig abzieht.
Wo sticht man den Haken beim Köderfisch ein?
Immer in die feste Rückenmuskulatur oder durch die knochigen Lippen, nie in den weichen Bauch. Die Muskulatur oberhalb der Wirbelsäule hält beim Wurf, der Bauch reißt schon beim zweiten Auswerfen aus. Die Wirbelsäule selbst triffst du am besten nicht, weil der Haken dort abprallt oder sich verkantet.
Darf man lebende Köderfische benutzen?
Nein. In Deutschland wird nur mit toten Köderfischen geangelt, weil das Tierschutzgesetz Schmerzen und Leiden ohne vernünftigen Grund verbietet und mehrere Landesfischereiverordnungen den lebenden Köderfisch zusätzlich ausdrücklich untersagen. Getötet wird der Köderfisch vor dem Anködern mit einem Schlag auf den Kopf und einem Herzstich.
Warum fällt mein Köderfisch beim Wurf vom Haken?
Meist sitzt der Haken im weichen Bauch, der Fisch ist zu weich aufgetaut oder der Wurf zu ruckartig. Abhilfe schaffen ein Haken in der Rückenmuskulatur, ein leicht angetauter Fisch und ein ruhiger Pendelwurf. Hält es dann immer noch nicht, ziehst du den Fisch mit der Ködernadel auf, weil das Vorfach dann durch den ganzen Körper läuft.