Die Frage taucht fast immer beim ersten Karpfenansitz auf: Muss die Matte wirklich sein, oder reicht das Gras am Ufer? Wer im Fischereigesetz nachschlägt, findet kein Wort über Abhakmatten. Trotzdem kann sie an deinem Gewässer verbindlich vorgeschrieben sein, und im Zweifel entscheidet darüber der Zettel in deiner Tasche. Dieser Ratgeber ordnet die Rechtslage ein und zeigt, wo die Pflicht tatsächlich herkommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Kein Gesetz nennt sie: Weder Bundes- noch Landesfischereirecht schreiben eine Abhakmatte ausdrücklich vor.
- Das Tierschutzgesetz wirkt trotzdem: Es verbietet, Wirbeltieren vermeidbare Schmerzen und Schäden zuzufügen.
- Verbindlich wird sie über die Gewässerordnung und den Erlaubnisschein. An Karpfengewässern steht sie dort regelmäßig drin.
- Brandenburg: Die Gewässerordnung des Landesverbandes verlangt nasse Hände und größtmögliche Sorgfalt, eine Matte nennt sie nicht.
- Niederlande: allgemein empfohlen, an vielen Karpfen- und Vereinsgewässern im örtlichen Reglement Pflicht.
- Faustregel: ab etwa 50 cm oder 3 kg gehört jeder Fisch auf eine weiche, nasse Unterlage.
Die kurze Antwort
Eine bundesweite Abhakmattenpflicht existiert nicht. Die Fischereigesetze der Länder und ihre Verordnungen regeln Schonzeiten, Mindestmaße, erlaubte Geräte und Fangmethoden. Ein Ausrüstungsgegenstand für das Abhaken taucht darin nicht auf.
Daraus folgt allerdings kein Freibrief. Die Pflicht zum schonenden Umgang kommt aus dem Tierschutzrecht und wird über drei weitere Ebenen konkret: Landesrecht, Gewässerordnung und Erlaubnisschein. Auf welcher Ebene was steht, entscheidet, ob die Matte bei dir eine Empfehlung oder eine Bedingung ist.

Ebene 1: Das Tierschutzgesetz
Das Tierschutzgesetz gilt für alle Wirbeltiere und damit auch für Fische. Zwei Vorschriften sind beim Abhaken einschlägig:
- § 1 Satz 2: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
- § 17: Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder ihm aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt, ebenso wer ihm länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.
Das Schlüsselwort ist vermeidbar. Ein Karpfen, der auf Kies abgelegt wird, verliert Schleimhaut und Schuppen, und aus dieser Verletzung kann sich Pilzbefall entwickeln. Dieser Schaden lässt sich mit einer nassen Unterlage vermeiden, und genau daran misst sich der Vorwurf. Das Gesetz verlangt ein Ergebnis statt eines bestimmten Produkts: Der Fisch soll ohne vermeidbare Schäden zurück ins Wasser kommen.
Praktisch heißt das: Wer am Steg einen 15-Pfünder auf blanke Bohlen legt, handelt tierschutzrechtlich fragwürdig, auch wenn das Wort Abhakmatte in keinem Paragrafen steht.
Ebene 2: Landesrecht
Die Fischereigesetze und Landesfischereiverordnungen konkretisieren den Tierschutz für die Angelei, bleiben bei der Ausrüstung aber allgemein. Sie regeln, welche Fanggeräte zulässig sind, wie gehältert werden darf und dass gefangene Fische unverzüglich und schonend zu behandeln sind. Eine Matte verlangen sie nicht.
Für die am häufigsten gesuchten Länder heißt das konkret:
| Bundesland | Abhakmatte im Fischereirecht | Was stattdessen gilt |
|---|---|---|
| Bayern | nicht geregelt | allgemeine Sorgfalts- und Tierschutzpflicht, Vorgaben der Gewässerordnung |
| Nordrhein-Westfalen | nicht geregelt | Landesfischereiverordnung regelt Geräte und Methoden, Rest über den Erlaubnisschein |
| Sachsen | nicht geregelt | Sächsische Fischereiverordnung plus Bedingungen des Bewirtschafters |
| Hamburg | nicht geregelt | allgemeine Tierschutzpflicht, Vorgaben der ausgebenden Stelle |
| Brandenburg | nicht geregelt | Gewässerordnung des Landesanglerverbandes: nasse Hände, größtmögliche Sorgfalt |
Stand der Durchsicht ist September 2026. Ändert ein Land seine Verordnung, gilt der neue Wortlaut; die aktuelle Fassung steht jeweils im Rechtsportal des Landes.
Die Gewässerordnung des Landesanglerverbandes Brandenburg ist ein gutes Beispiel für diese Ebene. Sie sagt unter Punkt 4.5.1, dass Fische, die zurückgesetzt werden sollen, nach Möglichkeit nicht zu keschern und nicht anders als mit nassen Händen zu berühren sind. Untermaßige Fische sind nach 4.5.3 mit größtmöglicher Sorgfalt zu behandeln und unverzüglich zurückzusetzen. Das Wort Abhakmatte fällt nicht, die Stoßrichtung ist trotzdem eindeutig.
Ebene 3: Die Gewässerordnung, hier steht die Pflicht
Auf dieser Ebene wird es verbindlich. Wer ein Gewässer bewirtschaftet, legt die Bedingungen fest, unter denen dort geangelt werden darf. Viele Vereine schreiben in ihre Gewässerordnung sinngemäß, dass Fische zum Abhaken auf eine weiche, nasse Unterlage gehören, etwa auf eine Abhakmatte, ein nasses Tuch oder den Kescher.
Typische Formulierungen, die dir begegnen:
- „Beim Karpfenangeln ist eine Abhakmatte mitzuführen und zu benutzen.” Diese Variante steht an vielen Karpfenseen und ist eine echte Mitführpflicht: Die Matte muss dabei sein, unabhängig davon, ob du fängst.
- „Fische sind auf einer weichen Unterlage abzuhaken.” Hier zählt das Ergebnis, ein nasser Wiegesack oder der Keschernetzkopf erfüllt die Regel ebenfalls.
- „Für Fische über 50 cm ist eine Abhakmatte zu verwenden.” Größenabhängige Variante, oft in Kombination mit Vorgaben zum Kescher.
Diese Bedingungen sind Teil des Vertrags, den du mit dem Kauf des Erlaubnisscheins eingehst. Ein Verstoß wirkt deshalb auf der Vertragsebene: Die Fischereiaufsicht kann die Karte einziehen, der Bewirtschafter kann dich vom Gewässer ausschließen. Kommt ein sichtbar verletzter Fisch dazu, folgt daraus zusätzlich eine tierschutzrechtliche Prüfung.
Praktisch heißt das: Lies den Erlaubnisschein, bevor du packst. Die Bedingungen stehen meist auf der Rückseite, und die Abhakmatte taucht dort in einer Reihe mit Kescher, Hakenlöser und Maßband auf. Welche weitere Pflichtausrüstung dazugehört, ordnet der Ratgeber Fischerprüfung bestanden: Was jetzt? ein.
Abhakmatte in den Niederlanden
Für Angler, die an holländischen Gewässern auf Karpfen gehen, gilt dieselbe Systematik mit anderer Gewichtung. Die niederländischen Verhaltensregeln zum verantwortungsvollen Angeln empfehlen die onthaakmat allgemein und nennen sie in einem Atemzug mit nassen Händen und schnellem Zurücksetzen.
Verbindlich wird sie über die örtlichen Reglements. An Vereinsgewässern, Syndikatsstrecken und ausgewiesenen Karpfenwassern ist die Matte regelmäßig vorgeschrieben, teils zusammen mit einem Mindestmaß für den Kescher. Welche Regel für dein Gewässer gilt, steht in der VISplanner-App, die zur VISpas gehört. Wer die Papierlage für Holland insgesamt sortieren will, findet sie im Ratgeber Braucht man einen Angelschein in Holland?.
Wann eine Matte fachlich nötig ist
Unabhängig von der Rechtslage lohnt der Blick darauf, was beim Ablegen eigentlich passiert. Drei Schäden entstehen typischerweise:
- Schleimhautverlust: Die Schleimschicht ist die erste Barriere gegen Bakterien, Pilze und Parasiten und hilft beim Salzhaushalt über die Haut. Jede trockene oder raue Oberfläche nimmt sie mit.
- Schuppenverlust und Hautverletzungen: Kies, Stoppeln und Beton reißen Schuppen heraus. Die offenen Stellen sind Eintrittspforten, besonders im warmen Sommerwasser.
- Innere Verletzungen durch Sturz: Ein Karpfen, der 40 cm auf harten Boden fällt, trifft mit dem eigenen Gewicht auf. Bauchhöhle und Schwimmblase nehmen das übel.
Daraus ergibt sich eine einfache Staffelung:
| Situation | Was ausreicht |
|---|---|
| Fisch unter 40 cm, Haken sitzt vorn | im nassen Kescher abhaken oder mit nassen Händen über dem Wasser |
| Fisch 40 bis 50 cm | nasser Keschernetzkopf auf weichem Untergrund |
| Karpfen, Hecht, Zander, Wels, Barbe über 50 cm | Abhakmatte, gepolstert und nass gemacht |
| Fisch über 10 kg oder Foto geplant | Matte mit Rand oder Wanne, kniend arbeiten |
| Steg, Boot, Kiesufer, Betonkante | Matte zwingend, egal welche Größe |
Die Bauformen und ihre Unterschiede in Polsterstärke, Randhöhe und Packmaß vergleicht der Ratgeber Abhakmatte für Karpfen an konkreten Modellen.
Wenn keine Matte dabei ist
Es gibt Situationen, in denen ein unerwartet großer Fisch am Haken hängt und die Matte im Auto liegt. Diese Behelfslösungen funktionieren:
- Der eigene Kescher: Den Netzkopf flach auf weichen Boden legen und den Fisch darin lassen. Das nasse Netz schützt die Flanke, solange der Fisch ruhig liegt.
- Wiegesack: Nass gemacht ein vollwertiger Ersatz, viele Karpfenangler nutzen ihn ohnehin.
- Dicke nasse Decke oder Handtuch: Trocken abrasiv, nass brauchbar. Ein Handtuch ohne Wasser ist die schlechteste aller Lösungen.
- Weiches, feuchtes Gras ohne Steine: Für mittlere Fische vertretbar, sobald Morgentau oder Regen im Spiel ist. Trockene Stoppeln wirken wie Schmirgel.
- Flaches Wasser: Bei kleineren Fischen lässt sich das Abhaken halb im Wasser erledigen, dann fällt das Ablegen ganz weg.
Untauglich bleiben Kies, Beton, Bootsplanken, Sand und trockener Boden. Sand ist dabei besonders tückisch, weil er sich in die Schleimhaut und unter die Kiemendeckel setzt.
Drei Handgriffe, die mehr bringen als die Matte allein
Die Matte wirkt nur zusammen mit dem Umgang drumherum:
- Matte vorher nass machen. Eine trockene Abhakmatte zieht genauso Schleimhaut ab wie Gras. Ein Eimer Wasser gehört über die Matte, bevor der Fisch darauf kommt.
- Nasse Hände, kein Griff in die Kiemen. Der Karpfen wird flach gehalten, der Hecht am Kiemendeckel von außen, niemals in den Kiemenbögen.
- Zeit begrenzen. Alles über eine Minute an Land ist Stress. Hakenlöser, Maßband und Kamera liegen bereit, bevor gekeschert wird.
Wer regelmäßig größere Fische zurücksetzt, findet die passende Reihenfolge am Wasser im Ratgeber Karpfen angeln: Tipps.
Fazit: Die Pflicht steht auf deinem Erlaubnisschein
Gesetzlich vorgeschrieben ist die Abhakmatte nirgends in Deutschland. Die Pflicht entsteht auf zwei anderen Wegen: über das Tierschutzgesetz, das vermeidbare Schäden verbietet, und über die Gewässerordnung, die an Karpfengewässern regelmäßig eine weiche Unterlage verlangt. Beides zusammen macht die Matte für jeden, der auf große Fische angelt, zur Standardausrüstung.
Die praktische Regel ist kurz: Erlaubnisschein lesen, Matte für alles ab 50 cm einpacken, vorher nass machen. Damit erfüllst du jede Gewässerordnung, die es in Deutschland gibt, und der Fisch geht ohne Schaden zurück.
Häufige Fragen
Ist eine Abhakmatte in Deutschland gesetzlich Pflicht?
Kein Bundes- oder Landesgesetz nennt die Abhakmatte ausdrücklich. Das Tierschutzgesetz verlangt allerdings, Wirbeltieren keine vermeidbaren Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen, und daraus folgt die Pflicht zu schonendem Umgang. Die konkrete Gerätepflicht steht in der Gewässerordnung oder auf dem Erlaubnisschein, und dort taucht die Matte beim Karpfenangeln häufig auf.
Ist eine Abhakmatte in Brandenburg Pflicht?
Die Gewässerordnung des Landesanglerverbandes Brandenburg nennt keine Abhakmatte. Sie verlangt, Fische, die zurückgesetzt werden sollen, möglichst nicht zu keschern und nur mit nassen Händen zu berühren, und untermaßige Fische mit größtmöglicher Sorgfalt zu behandeln. Einzelne Gewässer und Vereine können strengere Regeln haben, die auf der Karte stehen.
Ist eine Abhakmatte in NRW, Bayern, Sachsen oder Hamburg Pflicht?
In keinem dieser Länder steht eine Abhakmattenpflicht im Fischereirecht. Die Landesregelungen arbeiten mit allgemeinen Sorgfalts- und Tierschutzpflichten. Verbindlich wird die Matte dort, wo der Bewirtschafter sie in die Gewässerordnung schreibt, was an Karpfengewässern und in Vereinsanlagen oft der Fall ist.
Brauche ich in Holland eine Abhakmatte?
Die niederländischen Verhaltensregeln empfehlen die onthaakmat allgemein. An Karpfengewässern, Vereinsgewässern und Syndikatsstrecken schreiben die örtlichen Reglements sie häufig verbindlich vor, teils zusammen mit einem großen Kescher. Welche Regel gilt, steht beim jeweiligen Wasser in der VISplanner-App zur VISpas.
Was droht ohne Abhakmatte?
Wo sie in der Gewässerordnung steht, ist ein Verstoß ein Verstoß gegen die Bedingungen des Erlaubnisscheins: Die Aufsicht kann die Karte einziehen, der Bewirtschafter kann sperren. Verletzt du einen Fisch dabei erheblich, kommt der Tierschutz ins Spiel, wo § 17 Tierschutzgesetz bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vorsieht.
Ab welcher Fischgröße ist eine Abhakmatte sinnvoll?
Als Faustregel ab etwa 50 cm oder 3 kg, weil dann Eigengewicht und Fallhöhe gefährlich werden. Karpfen, Hecht, Zander, Wels, Barbe und Schleie gehören darauf. Kleine Fische versorgst du besser im Kescher oder mit nassen Händen über dem Wasser, ganz ohne Ablegen.
Was kann ich ohne Abhakmatte benutzen?
Am besten den eigenen Kescher: Der nasse Netzkopf auf weichem Untergrund ist eine brauchbare Unterlage. Ebenso funktionieren ein nasser Wiegesack, eine dicke nasse Decke oder feuchtes, weiches Gras ohne Steine und Stoppeln. Untauglich sind Kies, Beton, Bootsplanken, Sand und trockene Wiese.
Warum ist die Schleimhaut so wichtig?
Sie ist die erste Abwehr gegen Bakterien, Pilze und Parasiten und reguliert zugleich den Salzhaushalt über die Haut. Wo die Schicht abgerieben wird, entstehen offene Stellen, an denen sich vor allem im warmen Sommerwasser Pilzbefall ansetzt. Trockene Hände, trockene Matten und raue Untergründe nehmen die Schicht mit.
Reicht eine dünne Matte für 20 Pfund?
Für schwere Fische zählt die Polsterstärke. Dünne Rollmatten von etwa 2 cm federn einen fallenden Karpfen kaum ab, Matten mit 4 bis 6 cm Schaum oder mit hohen Rändern verteilen den Aufprall spürbar besser. Wer regelmäßig auf große Karpfen angelt, kommt mit einer Wanne oder Cradle-Bauform am weitesten.