Wann laicht der Hecht? Zeitraum, Temperatur & Ablauf

Der Hecht laicht in Deutschland von Februar bis Mai, ausgelöst von 5 bis 12 Grad Wassertemperatur. Ablauf, Laichplätze und was das fürs Angeln bedeutet.

Raubfisch Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Wer im zeitigen Frühjahr am Wasser steht und plötzlich mehrere Hechte im knietiefen Kraut liegen sieht, hat das Laichgeschäft erwischt. Die Frage nach dem Wann lässt sich allerdings nicht mit einem Datum beantworten, denn der Hecht richtet sich nach dem Thermometer. Dieser Ratgeber erklärt, was den Laichvorgang auslöst, wie er abläuft und warum die gesetzliche Schonzeit etwas anderes ist als die Laichzeit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zeitraum in Deutschland: Februar bis Mai, Schwerpunkt in März und April. Der Hecht ist einer der frühesten Laicher unserer Gewässer.
  • Auslöser ist die Wassertemperatur: etwa 5 bis 12 °C, Kernbereich 6 bis 10 °C. Das Kalenderdatum verschiebt sich mit Witterung und Gewässertyp um Wochen.
  • Laichplatz: flaches, krautiges Wasser in nur 20 bis 60 cm Tiefe, gern überflutete Wiesen und Altarme.
  • Ablage in Portionen: je Durchgang nur 5 bis 60 Eier, verteilt über Tage bis mehrere Wochen. Die klebrigen Eier haften an Pflanzen.
  • Schlupf nach rund zwei Wochen, temperaturabhängig. Die Larve misst 7,5 bis 10 mm und hängt sich zunächst am Kraut fest.

Der Zeitraum: Februar bis Mai, Kern im März und April

Über Deutschland gemittelt fällt das Laichgeschäft in ein Fenster von Februar bis Mai. Praktisch relevant sind März und April, in denen die meisten Gewässer die passenden Temperaturen erreichen. Damit gehört der Hecht zu den frühesten Laichern überhaupt, deutlich vor Zander, Karpfen oder Wels.

Die Spannweite kommt durch drei Faktoren zustande:

Für England wurde das Laichen an den Flüssen Frome und Stour von Ende März bis in den Mai dokumentiert, für die schwedische Ostseeküste bereits ab Mitte März. Das Bild passt: Der Hecht laicht dann, wenn sein Gewässer so weit ist, und das ist von Jahr zu Jahr verschieden.

Der eigentliche Auslöser ist die Wassertemperatur

Das Datum ist nur die Folge, den Ausschlag gibt das Wasser. Der Hecht beginnt zu laichen, wenn die Temperatur im Flachwasser die Marke von etwa 5 °C überschreitet, und schließt das Geschäft in der Regel bis 12 °C ab.

Temperaturskala von 0 bis 14 Grad mit vier Zonen für das Hechtlaichen: unter 4 Grad sammeln sich die Männchen im Flachwasser, 4 bis 6 Grad erste Laichaktivität, 6 bis 10 Grad Kernbereich, 10 bis 14 Grad Ausklang. Eingezeichnet sind zwei Messpunkte schwedischer Ostsee-Bestände bei 4,3 und 9,4 Grad
Zwei Bestände derselben Küste starteten bei 4,3 und 9,4 °C: Der Auslösewert ist an das Heimatgewässer angepasst.

Wie stark die Bestände dabei auseinanderliegen, zeigt eine schwedische Untersuchung an zwei Hechtpopulationen der Ostseeküste, veröffentlicht in BMC Ecology and Evolution. Die Population im Gewässer Harfjärden begann bereits am 14. März bei 4,3 °C zu laichen, die Population bei Lervik erst am 4. April bei 9,4 °C. Der Auslösewert unterschied sich also um mehr als das Doppelte, obwohl beide Bestände an derselben Küste leben.

Der Grund ist eine lokale Anpassung: Der früh laichende Bestand nutzt einen Bach, der im Frühjahr trockenfällt, und muss deshalb Tempo machen. Seine Brut entwickelte sich im Versuch bei niedrigen Temperaturen messbar besser als die des spät laichenden Bestands. Für dich am Wasser heißt das: Ein Hausgewässer hat seinen eigenen Rhythmus, und der bleibt sich über die Jahre erstaunlich treu.

Ein zweiter Wert lohnt die Aufmerksamkeit: Die Zahl der Tagesgrade bis zum Schlupf sinkt mit steigender Temperatur. Warmes Frühjahrswasser bringt die Brut also doppelt schnell voran, über den früheren Start und über die kürzere Entwicklung.

So läuft das Laichgeschäft ab

Der Vorgang beginnt lange vor dem eigentlichen Laichen. Bereits im September legen die Rogner mit dem Aufbau der Eierstöcke los, bis Februar sind sie damit praktisch fertig. Die Milchner sind noch früher dran, ihre Hoden erreichen das Höchstgewicht schon im Oktober und halten es bis zum Laichen.

Ablaufschema des Hecht-Laichgeschäfts in fünf Phasen: Reifung von Rogen und Milch ab September, Männchen beziehen ab Januar Stellung im Flachwasser, Laichakt in Schüben bei 5 bis 12 Grad, Eientwicklung über rund zwei Wochen, danach heftet sich die 7,5 bis 10 Millimeter große Larve am Kraut fest
Fünf Phasen vom Herbst bis zur Brut: Der sichtbare Laichakt ist nur der kürzeste Abschnitt davon.

Im Winter beziehen die Milchner als Erste Stellung im Flachwasser und warten dort auf die Weibchen. Sie sind bei Hechten deutlich kleiner als die Rogner, was den Größenunterschied am Laichplatz auffällig macht: Um ein schweres Weibchen sammeln sich oft mehrere kleine Männchen, zwischen denen es zu Rangeleien kommt.

In Fließgewässern gehört eine Wanderung dazu. Für belgische Flüsse wurden mittlere Aufwärtswanderungen von 7,7 Kilometern zum Laichplatz gemessen, in nordirischen Seen lagen die meisten Wiederfänge innerhalb von 10 Kilometern um den Laichplatz. Nach dem Laichen verteilen sich die Fische wieder.

Der Laichakt selbst ist Kleinarbeit. Paar für Paar zieht über die Vegetation und gibt je Durchgang nur 5 bis 60 Eier ab, gefolgt von der Milch. Das wiederholt sich über Stunden, Tage und bei kühlem Wetter über mehrere Wochen. Gelaicht wird tagsüber. Die Eier sinken ab, kleben an Pflanzen und Grund fest und brauchen von da an rund zwei Wochen bis zum Schlupf.

Wo der Hecht laicht

Der Hecht ist ein Krautlaicher (phytophil), er braucht Struktur zum Ankleben der Eier. Die typischen Laichplätze liegen daher überall dort, wo flaches Wasser auf Vegetation trifft:

Die Wassertiefe am Laichplatz beträgt oft nur 20 bis 60 cm. Interessant für das Verständnis von Beständen: Der Schlupferfolg ist auf Sand- und Schlickgrund höher als auf Wasserpflanzen, was den Wert flacher, wenig verkrauteter Laichbereiche unterstreicht. Wo solche Flächen fehlen, weil Ufer verbaut oder Auen abgetrennt sind, bricht die natürliche Vermehrung ein. Das ist einer der Gründe, warum viele Vereine beim Hecht auf Besatz angewiesen sind.

Wie viele Eier ein Hechtweibchen ablegt

Die Fruchtbarkeit hängt an der Größe des Rogners. Für Bestände auf den Britischen Inseln wurden 10 bis 24 Eier je Gramm Körpergewicht ermittelt. Umgerechnet:

Gewicht des RognersGrobe Eizahl
2 kg20.000 bis 48.000
5 kg50.000 bis 120.000
10 kg100.000 bis 240.000

Diese Zahlen erklären, warum große Weibchen für den Bestand so wertvoll sind: Ein einziger 10-Kilo-Rogner ersetzt rein rechnerisch fünf Zweikilo-Fische. Genau deshalb arbeiten viele Gewässerordnungen mit Entnahmefenstern, die kapitale Hechte zurück ins Wasser schicken.

Von der riesigen Eizahl kommt allerdings nur ein winziger Bruchteil durch. Eier und Larven stehen auf dem Speiseplan von Barschen, Kleinfischen und Wirbellosen, dazu kommen Trockenfallen, Temperaturstürze und Sauerstoffmangel. Die frisch geschlüpfte Larve von 7,5 bis 10 mm hängt sich mit einer Klebedrüse am Kopf an Pflanzen und ist in dieser Phase wehrlos.

Nach dem Laichen: die Fresszeit beginnt

Das Laichen kostet Substanz. Frisch abgelaichte Hechte sind dünn, wirken großköpfig und brauchen ein bis zwei Wochen, bis sie wieder aktiv jagen. Danach setzt eine der ausgeprägtesten Fressphasen des Jahres ein, weil die Fische ihre Reserven auffüllen müssen und das Wasser gleichzeitig wärmer wird.

Für dich als Angler ist das die entscheidende Information: Die Schonzeiten der Bundesländer reichen bewusst über das Laichfenster hinaus, damit die Fische sich erholen können. Der erste erlaubte Tag nach der Schonzeit fällt deshalb oft mitten in diese Fressphase. Welche Köder dann laufen, steht im Ratgeber Hecht angeln, passendes Gerät findest du in der Übersicht zur Spinnrute für Hecht und Zander.

Laichzeit und Schonzeit sind zwei verschiedene Dinge

Diese Unterscheidung wird oft vermischt, sie ist aber wichtig:

Ein Beispiel aus dem Landesrecht: In niedersächsischen Binnengewässern ist der Hecht nach der Binnenfischereiordnung vom 1. Februar bis 15. April geschont, bei einem Mindestmaß von 40 cm. In den Küstengewässern desselben Landes schreibt die Küstenfischereiordnung dagegen gar keine Hechtschonzeit vor. Wie stark solche Regeln auseinandergehen, zeigt unsere Übersicht der Schonzeiten in Niedersachsen.

Daraus folgen zwei Praxisregeln. Erstens: Maßgeblich ist immer die Verordnung deines Landes plus die Gewässerordnung deines Vereins, die häufig strenger ausfällt. Verbindliche Auskunft geben die Landesfischereiverbände, etwa der Anglerverband Niedersachsen. Zweitens: Wenn du in einem warmen Frühjahr bereits laichende Hechte im Flachen siehst, während die Schonzeit noch läuft, ist das normal. Umgekehrt kann es passieren, dass die Schonzeit endet, bevor die Fische in einem kalten Jahr überhaupt fertig sind. Dann hilft freiwillige Zurückhaltung dem Bestand mehr als jede Regel.

Fazit: das Thermometer schlägt den Kalender

Der Hecht laicht in Deutschland zwischen Februar und Mai, mit klarem Schwerpunkt im März und April. Wer es genauer wissen will, schaut auf die Wassertemperatur: Ab etwa 5 °C geht es los, zwischen 6 und 10 °C läuft der Hauptteil, ab 12 °C ist das Geschäft durch. Diese Werte gelten für dein Hausgewässer genauso wie für die Ostsee, nur der Zeitpunkt, an dem sie erreicht werden, verschiebt sich.

Für die Praxis lohnt es sich, im Frühjahr ein Thermometer dabeizuhaben und die Flachzonen zu beobachten. Du erkennst früh, in welcher Phase dein Gewässer steckt, und weißt damit auch, wann nach dem Ende der Schonzeit die Fressphase einsetzt. Das ist deutlich verlässlicher als jeder Kalendertipp.

Häufige Fragen

In welchem Monat laicht der Hecht?

In Deutschland fällt das Laichgeschäft je nach Gewässer und Witterung in die Zeit von Februar bis Mai, der Schwerpunkt liegt in März und April. In milden Wintern und flachen Tieflandgewässern kann es schon Ende Februar losgehen, in tiefen Voralpenseen zieht es sich bis in den Mai. Ein festes Datum gibt es nicht, weil die Wassertemperatur den Ausschlag gibt.

Bei welcher Wassertemperatur laicht der Hecht?

Der Bereich reicht von etwa 5 bis 12 °C, der Schwerpunkt liegt bei 6 bis 10 °C. Wie weit die Werte auseinanderliegen können, zeigt eine schwedische Untersuchung an zwei Ostsee-Beständen: Der eine begann bei 4,3 °C am 14. März, der andere erst bei 9,4 °C am 4. April. Die Bestände sind offenbar an die Temperaturen ihres Laichgewässers angepasst.

Wo laicht der Hecht?

In flachem, pflanzenreichem Wasser, oft nur 20 bis 60 cm tief. Bevorzugt werden überflutete Wiesen, Altarme, Buchten mit Röhricht und krautige Flachzonen. Der Hecht ist ein Krautlaicher, seine klebrigen Eier haften an Unterwasserpflanzen, Halmen und Ästen. In Flüssen wandern Hechte dafür im Schnitt einige Kilometer aufwärts.

Wie viele Eier legt ein Hecht?

Die Zahl steigt mit der Größe des Weibchens. Für britische Bestände wurden 10 bis 24 Eier je Gramm Körpergewicht gemessen, ein Rogner von 5 kg käme damit auf grob 50.000 bis 120.000 Eier. Abgegeben werden sie in vielen kleinen Portionen von jeweils 5 bis 60 Stück, verteilt über Tage bis mehrere Wochen.

Wie lange dauert es, bis die Hechteier schlüpfen?

Rund zwei Wochen, wobei die Dauer stark von der Temperatur abhängt: Je wärmer das Wasser, desto schneller die Entwicklung. Die frisch geschlüpfte Larve misst 7,5 bis 10 mm, heftet sich mit einer Klebedrüse am Kopf an Pflanzen und zehrt zunächst vom Dottersack, bevor sie selbst zu jagen beginnt.

Beißen Hechte während der Laichzeit?

Ja, teilweise sogar aggressiv, weil die Fische im Flachwasser stehen und Konkurrenz vertreiben. Genau deshalb liegt in fast allen Bundesländern eine gesetzliche Schonzeit über diesem Zeitraum. Gezielt auf Hecht zu angeln ist dann verboten, und ein Drill kostet den Fisch Reserven, die er für das Laichgeschäft braucht.

Ist die Laichzeit dasselbe wie die Schonzeit?

Nein. Die Laichzeit ist ein biologischer Vorgang, den die Wassertemperatur steuert und der jedes Jahr anders fällt. Die Schonzeit ist eine feste Kalenderregel im Landesrecht, die das Laichfenster mit Sicherheitspuffer abdecken soll. In Niedersachsen ist der Hecht in Binnengewässern etwa vom 1. Februar bis 15. April geschont, andere Länder setzen andere Termine.

Wann beißen Hechte nach dem Laichen wieder?

Nach dem Ablaichen sind die Fische ausgezehrt und brauchen ein bis zwei Wochen Erholung, danach beginnt eine ausgeprägte Fressphase. Weil die Schonzeiten bewusst über das Laichfenster hinausreichen, fällt der erste erlaubte Angeltag im Frühjahr häufig genau in diese Fresszeit. Das macht ihn zu einem der besten Hechttage des Jahres.

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