Im Hochsommer stehen an den Molen Dänemarks und Norwegens die Angler dicht an dicht, und plötzlich biegen sich überall gleichzeitig die Ruten: Ein Makrelenschwarm zieht vorbei. Steht er vor der Mole, beißt oft Wurf für Wurf etwas. Die eigentliche Kunst besteht darin, ihn zu finden und in der richtigen Tiefe zu treffen. Dieser Ratgeber erklärt, wann und wo du die Schwärme erwischst, wie der Makrelenpaternoster aufgebaut ist und worauf du nach dem Fang achten musst.
Das Wichtigste in Kürze
- Saison: grob Juni bis September, in den inneren dänischen Gewässern bis in den November. Die größeren Fische kommen im August und September.
- Wo: Molen, Hafeneinfahrten und Felsküsten mit tiefem Wasser und Strömung. Die Klassiker liegen in Dänemark, Norwegen und den Niederlanden, in der deutschen Nordsee geht es meist per Kutter hinaus.
- Methode: Makrelenpaternoster mit Federhaken und Wurfpilker von 30 bis 40 g. Absinken lassen, zählen, ruckartig einholen.
- Tageszeit: Sonnenaufgang und die letzte Stunde vor Sonnenuntergang.
- Mindestmaß: Dänemark 30 cm in der Nordsee, 20 cm in Skagerrak und Kattegat. Norwegen kennt beim Freizeitfischen keins.
- Nach dem Fang: sofort auf Eis. Makrele bildet bei Wärme schnell Histamin.
Die Makrele verstehen: Schwarmjäger ohne Schwimmblase
Die Atlantische Makrele ist ein schneller, torpedoförmiger Schwarmfisch. Laut dem Portal Fischbestände online des Thünen-Instituts wird sie bis zu 60 cm lang, bis zu 3,4 kg schwer und bis zu 17 Jahre alt. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Gibraltar bis zum Nordkap, einschließlich Nordsee und westlicher Ostsee. Zwischen Laich- und Nahrungsgründen legt sie weite Wanderungen zurück.
Zwei Eigenschaften bestimmen die gesamte Angelei:
- Sie frisst in Oberflächennähe. Makrelen jagen Zooplankton und kleine Fische wie Sprotten, Hering und Tobiasfisch. Im Sommer folgen sie diesen Futterfischen dicht an die Küste.
- Sie hat keine Schwimmblase. Das Thünen-Institut hebt hervor, dass die Makrele deshalb schnelle Vertikalbewegungen ausführen kann. Ein Schwarm, der eben noch an der Oberfläche jagte, kann Minuten später deutlich tiefer stehen.
Für dich heißt das: Die Tiefe des Schwarms ist die wichtigste Unbekannte, und die Methode muss mehrere Tiefen gleichzeitig abdecken. Genau das leistet der Makrelenpaternoster.
Wann Makrelen beißen: Saison und Tageszeit
Die Saison hängt an der Region. In Norwegen erreichen die Makrelen die Küste ab Juni, die beste Zeit liegt zwischen Juli und September. Den kompletten Angelkalender für das Land zeigt der Ratgeber Beste Zeit zum Angeln in Norwegen.
In den inneren dänischen Gewässern startet die Saison laut dem dänischen Angelportal Fiskeoplevelser im Juli und läuft bis in den November, an der Westküste beginnt sie ein bis zwei Monate früher. Die großen Makrelen kommen meist im August und September.
Über den Tag verteilt sind zwei Zeitfenster am stärksten:
- Sonnenaufgang, im Hochsommer also sehr früh am Morgen
- die letzte Stunde vor Sonnenuntergang, die dänische Angler als „goldene Stunde” bezeichnen
Die Makrele jagt auf Sicht und kommt mit hellem Wetter gut zurecht. Das dänische Portal empfiehlt sogar Sonnenschein, um die Chancen zu maximieren. Wichtiger als das Wetter ist die Bewegung im Wasser: Stellen mit tiefem Wasser und kräftiger Strömung ziehen Futterfische an, und die Schwärme folgen ihnen.
Wo du Makrelen findest
Makrelen brauchen Tiefe in Wurfweite. Daraus ergeben sich die typischen Plätze:
- Molen und Hafeneinfahrten: Sie reichen weit ins tiefe Wasser, und in der Einfahrt zieht meist Strömung. In Dänemark stehen die Makrelen im Sommer an vielen Hafenmolen, an der Ostseite Jütlands sogar in Häfen wie Kolding.
- Felsküsten und Fjorde in Norwegen: Die Steilküste fällt dicht unter Land tief ab, du erreichst vom Felsen aus Wassertiefen, für die du anderswo ein Boot brauchst. Wie die Fischarten dort gestaffelt stehen, erklärt der Ratgeber Wie angelt man in Norwegen?.
- Piers an der niederländischen Küste: Hier reichen die Bauwerke weit ins Meer hinaus. Welche Papiere dort seit 2026 gelten, steht im Ratgeber Angelschein in Holland.
- Vom Boot oder Kutter: Das deutsche Wattenmeer ist für Makrelen zu flach, an der deutschen Nordseeküste geht es darum meist mit dem Angelkutter hinaus auf tieferes Wasser.
Den Schwarm selbst verraten oft sichtbare Zeichen. Möwen, die immer wieder ins Wasser stoßen, und aufspritzende Kleinfische an der Oberfläche zeigen jagende Makrelen. Wenn auf der Mole plötzlich mehrere Ruten gleichzeitig krumm werden, ist der Schwarm in Reichweite, und dann zählt jede Minute.
Der Makrelenpaternoster: Aufbau
Das Standardsystem heißt Makrelenpaternoster, im Handel auch Makrelenvorfach oder Heringssystem. Der Aufbau von oben nach unten:
- Wirbel am Ende der Hauptschnur
- Vorfach aus kräftigem Monofil, bei fertigen Systemen meist 1,35 bis 2,50 m lang
- Seitenarme mit 3 bis 6 Haken, bestückt mit Federn, Glitzerfolie oder echter Fischhaut
- Karabiner am unteren Ende
- Wurfpilker von rund 30 bis 40 g, der Gewicht zum Werfen liefert und selbst als Köder fängt
Die Federhaken imitieren kleine Futterfische. Farben wie Weiß, Silber, Pink, Grün oder Gelb laufen alle, ein Paternoster mit gemischten Farben hilft bei der Suche nach der Tagesfarbe. Fertige Systeme kosten nur wenige Euro, eine Auswahl findest du bei den Meeresvorfächern bei Gerlinger*, passende Wurfgewichte im Pilker-Sortiment*.
Wie viele Haken? Vom Strand und von der Mole sind laut dem dänischen Angelshop Fiskegrej 1 bis 3 Haken angenehmer, weil sich das System besser werfen lässt und seltener verheddert. Vom Boot, wo nicht geworfen wird, lassen sich mehr Haken fischen. Mehr Haken bedeuten allerdings auch mehr Fische auf einmal, und jeder davon will verwertet werden.
So führst du den Paternoster
Die Technik ist einfach, der Trick liegt im systematischen Absuchen der Wassersäule.

- Weit auswerfen. Der Schwarm steht selten direkt vor den Füßen. Kurz vor dem Aufprall die Schnur bremsen, damit sich das Vorfach streckt.
- Absinken lassen und zählen. Zähle die Sekunden, bis der Pilker Grund berührt. Beim nächsten Wurf beginnst du früher mit dem Einholen, etwa nach der Hälfte der Zeit, und tastest dich so durch die Tiefen.
- Ruckartig einholen. Rute kräftig anheben, beim Absenken die lose Schnur einkurbeln. Die Federn flattern dabei wie flüchtende Fischchen. Alternativ zügig und gleichmäßig einkurbeln, wenn die Fische hoch stehen.
- Den Biss nutzen. Hängt eine Makrele, kurbel gleichmäßig weiter. Im Schwarm fasst oft ein zweiter oder dritter Fisch nach, Mehrfachfänge sind beim Makrelenangeln normal.
- Die Zählzeit merken. Kam der Biss nach acht Sekunden Absinkzeit, lässt du den nächsten Wurf wieder acht Sekunden sinken. So triffst du den Schwarm gezielt, bis er weiterzieht.
Makrelen kämpfen für ihre Größe erstaunlich kräftig und schlagen im Drill in schnellen Kreisen. Bremse etwas weicher einstellen, das Vorfach ist robust, der Haken im weichen Maul aber nicht unbegrenzt belastbar. Von hohen Molen hebst du die Fische mit gleichmäßigem Zug über die Kante, ein Kescher ist bei der Größe selten nötig.
Weitere Methoden
Neben dem Paternoster gibt es drei Alternativen, je nach Situation und Vorliebe:
- Blinker oder Wurfpilker allein: Ein einzelner Kunstköder von 20 bis 40 g ohne Seitenarme. Du fängst nur einen Fisch pro Wurf, hast dafür den spannenderen Drill und weniger Verhedderungen. Gut, wenn die Schwärme dicht unter der Oberfläche jagen.
- Pose mit Fischfetzen: Ein schmaler Streifen Hering oder Makrele an einer Laufpose, auf 1 bis 3 m Tiefe eingestellt. Diese Methode funktioniert auch auf den Hornhecht, der im Frühjahr an denselben Küsten jagt, wie der Ratgeber Wie angelt man auf Hornhecht? zeigt.
- Vertikal vom Boot: Den Paternoster über dem Pilker senkrecht ablassen und in Stufen durch die Wassersäule führen. In Norwegen fängt das neben Makrele oft auch Köhler und Pollack, zu dessen Standplätzen der Ratgeber Wie angelt man auf Pollack? mehr sagt.
Gerät im Überblick
| Bauteil | Vom Strand | Von der Mole | Vom Boot |
|---|---|---|---|
| Rute | 2,70 bis 3,00 m, bis 40 g | 3,00 bis 3,30 m, bis 80 g | kräftige Pilk- oder Bootsrute |
| Rolle | Größe 3000 bis 4000 | Größe 3000 bis 4000 | Größe 4000 oder kleine Multirolle |
| Hauptschnur | geflochten 0,12 bis 0,18 mm | geflochten 0,12 bis 0,18 mm | geflochten, an die Tiefe angepasst |
| Paternoster | 1 bis 3 Haken | 1 bis 3 Haken | 3 bis 6 Haken |
| Gewicht | Wurfpilker 30 bis 40 g | Wurfpilker 30 bis 40 g | Pilker nach Drift und Tiefe |
Die Werte für Strand und Mole folgen den Empfehlungen des dänischen Fachhandels. Eine Meerforellen- oder kräftige Spinnrute aus dem eigenen Bestand erfüllt die Anforderungen vom Ufer in aller Regel. Salzwasser setzt Rolle und Ringen zu, deshalb alles nach dem Angeln mit Süßwasser abspülen.
Regeln: Angelschein, Mindestmaß und Bestand
Die Papiere hängen am Land, in dem du angelst:
| Land | Papiere am Meer | Mindestmaß Makrele |
|---|---|---|
| Dänemark | Fisketegn für 18- bis 67-Jährige | 30 cm Nordsee, Limfjord, Ringkøbing Fjord · 20 cm Skagerrak, Kattegat |
| Norwegen | kein Angelschein im Meer | keins beim Freizeitfischen |
| Niederlande | kein VISpas, Registrierung in der RecFishing-App ab 14 Jahren | vor der Tour bei der NVWA prüfen |
| Deutschland, Nordsee | Regeln des Bundeslands | 30 cm (EU-Recht) |
Quellen: die dänische Fischereibehörde für die Makrelen-Mindestmaße (eine Schonzeit gibt es dort nicht), das norwegische Fiskeridirektoratet für die Ausnahme vom Mindestmaß, sofern der Fang nicht verkauft wird, und der Anglerverband Niedersachsen für das EU-Mindestmaß in der Nordsee. Details zum dänischen Schein stehen im Ratgeber Angelschein in Dänemark, zu Norwegen im Ratgeber Angelschein in Norwegen.
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit. Laut der aktuellen Bestandsbewertung des Thünen-Instituts liegt die Laicherbiomasse der Nordostatlantischen Makrele unter dem Limit-Referenzwert, der Fischereidruck ist zu hoch. Die Fischereinationen konnten sich seit Jahren nicht auf eine gemeinsame Quote einigen. Gemessen an knapp 900.000 Tonnen Gesamtfang im Jahr 2024 fällt der Anteil der Angler kaum ins Gewicht, trotzdem gilt am Wasser eine einfache Regel: Nimm nur so viele Makrelen mit, wie du auch wirklich verwertest.
Nach dem Fang: kühlen, bevor der nächste Wurf rausgeht
Makrelen gehören zu den empfindlichsten Speisefischen überhaupt. Ihr dunkles, fettreiches Fleisch enthält viel Histidin, das Bakterien bei Wärme zu Histamin umbauen. Das kann schon Minuten nach dem Essen Hautrötung, Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall auslösen, und Braten oder Räuchern bauen es nicht mehr ab.
Darum gilt an der Mole: Fisch betäuben, töten und sofort auf Eis. Eine Kühlbox mit Eis oder Kühlakkus gehört beim Makrelenangeln zur Grundausstattung, ein Eimer in der Sonne ist keine Option. Wie lange die Makrele danach im Kühlschrank und im Gefrierfach hält, erklärt der Ratgeber Wie lange hält sich frischer Fisch?.
Was nicht auf den Teller kommt, taugt als Köder. Makrelenfetzen sind fettreich und geben eine starke Duftspur ab, beliebt auf Aal und im Winter als toter Köderfisch auf Hecht. Mehr dazu im Ratgeber Bester Köder für Aal und bei der Posenmontage auf Hecht.
Fazit: Schwarm finden, Tiefe merken, Fang kühlen
Makrelenangeln ist unkompliziert, sobald die Fische da sind. Die Saison liegt im Sommer, die besten Stunden rund um Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, die besten Plätze an Molen und Felskanten mit tiefem Wasser und Strömung. Ein Paternoster mit wenigen Federhaken und ein Wurfpilker von 30 bis 40 g reichen als Ausrüstung.
Der Unterschied zwischen einem guten und einem mäßigen Tag liegt im Zählen: Wer die Tiefe des Schwarms kennt, trifft ihn Wurf für Wurf. Und wer die Makrelen danach sofort aufs Eis legt, bekommt einen der besten Speisefische, die das Meer zu bieten hat.
Häufige Fragen
Wann ist die beste Zeit zum Makrelenangeln?
Die Saison läuft grob von Juni bis September. In Norwegen erreichen die Makrelen die Küste ab Juni, am besten sind Juli bis September. In den inneren dänischen Gewässern reicht sie von Juli bis in den November, an der Westküste beginnt sie ein bis zwei Monate früher. Die größeren Fische kommen meist im August und September. Über den Tag verteilt sind Sonnenaufgang und die letzte Stunde vor Sonnenuntergang am stärksten.
Welcher Köder fängt Makrelen am besten?
Der Klassiker ist der Makrelenpaternoster: ein Vorfach mit mehreren kurzen Seitenarmen, an denen Haken mit Federn, Glitzerfolie oder Fischhaut sitzen. Unten hängt ein Wurfpilker von etwa 30 bis 40 g, der Wurfgewicht bringt und selbst fängt. Alternativ fangen kleine Blinker und Wurfpilker allein sowie ein Fischfetzen unter der Pose, wenn die Fische dicht unter der Oberfläche stehen.
Wie viele Haken sollte ein Makrelenvorfach haben?
Fertige Makrelenvorfächer tragen meist 3 bis 6 Haken auf 1,35 bis 2,50 m Länge. Vom Strand und von der Mole sind 1 bis 3 Haken angenehmer, weil sich das System besser werfen lässt und seltener verheddert. Vom Boot, wo nicht geworfen wird, kannst du mehr Haken fischen. Mehr Haken bedeuten allerdings auch mehr Fische auf einmal, und die wollen verwertet werden.
Welche Rute brauche ich zum Makrelenangeln?
Vom Strand reicht eine Spinnrute von 2,70 bis 3,00 m mit bis zu 40 g Wurfgewicht. Von hohen Molen ist eine Rute von 3,00 bis 3,30 m mit bis zu 80 g Wurfgewicht besser, weil du damit Weite machst und die Fische über die Kante heben kannst. Dazu eine Rolle der Größe 3000 bis 4000 mit geflochtener Schnur von 0,12 bis 0,18 mm.
Gibt es ein Mindestmaß für Makrelen?
In Dänemark gilt laut Fischereibehörde ein Mindestmaß von 30 cm in der Nordsee, im Limfjord und im Ringkøbing Fjord sowie 20 cm im Skagerrak und Kattegat, eine Schonzeit gibt es nicht. In der deutschen Nordsee gilt nach EU-Recht ein Mindestmaß von 30 cm. In Norwegen sind Makrelen beim Freizeitfischen vom Mindestmaß ausgenommen, solange der Fang nicht verkauft wird.
Kann man in Deutschland Makrelen angeln?
Ja, vor allem in der Nordsee im Sommer. Die westliche Ostsee gehört laut Thünen-Institut ebenfalls zum Verbreitungsgebiet, planbar ist das Makrelenangeln dort aber kaum. Weil das deutsche Wattenmeer sehr flach ist, geht es an der Nordseeküste meist mit dem Angelkutter auf tieferes Wasser. Die Klassiker vom Ufer liegen in Dänemark, Norwegen und an den Piers der niederländischen Küste.
Wie lange hält sich frisch gefangene Makrele?
Kurz, und nur mit konsequenter Kühlung. Makrele ist fettreich und bildet bei Wärme schnell Histamin, das Braten und Räuchern übersteht. Darum gehört sie sofort nach dem Fang auf Eis. Im Kühlschrank hält sie wie jeder frische Fisch ein bis zwei Tage, eingefroren bei -18 °C etwa zwei bis vier Monate, weil das Fett auch im Frost langsam ranzig wird.
Braucht man zum Makrelenangeln einen Angelschein?
Das hängt vom Land ab. In Dänemark brauchst du zwischen 18 und 67 Jahren das staatliche Fisketegn. In Norwegen ist das Angeln im Meer ohne Schein erlaubt. In den Niederlanden brauchst du am Meer keinen VISpas, musst dich aber seit Januar 2026 ab 14 Jahren in der RecFishing-App registrieren. An der deutschen Küste gelten die Regeln des jeweiligen Bundeslands.